Donnerstag, 4. Dezember 2014

Fox Glacier

Die Fahrt von Wanaka nach Fox Glacier dauerte 6 Stunden, war aber traumhaft schön, wie immer. Und vor allem wird auf diesen Fahrten in der Regel alle 2-4 Stunden eine halbe Stunde Pause eingelegt. Da kann man sich also immer ein bißchen bewegen, Kaffee trinken und dieses Mal auch noch ein paar Fotos machen :) In diesem Land gibt es keine übermüdeten Busfahrer. Pünktlich sind sie trotzdem immer.





Auf der Südinsel gibt es zwei Gletscher, den Franz-Josef- und den Fox-Glacier. Ersterer ist der höher frequentierte, an den Fox kommt man aber näher ran, wenn man nicht vor hat, eine Gletscher-Tour zu buchen. Ich habe mich dann für den Fox entschieden, da ich nicht vor hatte noch eine Tour zu buchen. Gletscher haben wir ja auch in Europa und, wie immer, kosten diese Touren mindestens 150€. Es gab aber auch um den Gletscher herum zahlreiche Hikes, Wasserfälle, etc. mir würde vermutlich also nicht langweilig werden.

Als ich dann tatsächlich ankam, musste ich feststellen, dass dieser Ort tatsächlich eigentlich nur aus einer Hauptstrasse bestand. 10min und man hat alles gesehen. Als ich mir noch kurz was im Grocery Store besorgen wollte, stellte ich fest, dass ich nur noch zwanzig Dollar hatte. Wovon zehn für eine Flasche Wein draufgingen. Und natürlich nahm der vorhandene ATM nur neuseeländische Karten an... Aber ich hatte noch einiges an Verpflegung bei mir, dass das reichen sollte. 

Das Hostel war super nett. Auch hier, dank der 'low season' waren gefühlt nicht mehr als 3 Gäste. Da kann ja eigentlich nichts schiefgehen, denkt man sich. Und dann komme ich am zweiten Abend wieder in mein Zimmer zurück, hängt da ein Werder-Bremen-Handtuch! Die beiden Mädels waren dann aber trotzdem ganz nett.

Am nächsten Morgen habe ich mir eines der beiden Fahrräder geschnappt, die man sich im Hostel leihen konnte und bin Richtung Gletscher gefahren. Auf meine Frage nach einem Schloss hat der 'Herbergsvater' nur mit einem schallenden Lachen geantwortet. 'Wohin sollen die Diebe denn fliehen?! Die würden wir locker wieder einsammeln, bevor sie irgendwo ankommen würden'. Ok, dann also nicht. Und tatsächlich habe ich das Rad den ganzen Tag in der Gegend rumstehen lassen und es war immer da, wenn ich von einem Trail zurückkam, auch nach mehreren Stunden.





Zwar haben wir in Europa auch Gletscher, allerdings wandert man auf dem Weg dorthin, nicht wie hier, durch Regenwald! Das ist so faszinierend, eben spaziert man noch durch das satteste Grün und dann steht man schon fast vor dem Eis. Der perfekte Ort, um die Kamera nochmal ein bisschen auszuprobieren. 

Mein Lieblingsbild:


Leicht frustrierendes Detail von diesem Tag: Als ich das letzte steile Stück zur Gletscherzunge hochlief, wurde ich locker überholt. Von ihm hier:


Insgesamt bin ich an dem Tag 6 Stunden unterwegs gewesen. Traumhaft schön! Bis zur Vollkatastrophe... 
Als ich auf dem Rückweg von dem letzten Trail, den ich machen wollte, war, spürte ich, wie meine Wade immer kälter wurde. Herzlichen Glückwunsch! habe ich gedacht. Die macht wieder komplett zu und die ganze Physiotherapie ist umsonst gewesen. Ich war schon kurz davor, zu heulen, als ich mich einmal nach hinten drehte und feststellte, dass nicht der Muskel das Problem war, sondern die Wasserflasche, die ich offensichtlich nicht richtig geschlossen hatte. So waren die letzten Minuten ca. Ein halber Liter in der Tasche aus- und dann an meinem Bein runtergelaufen. Neben der Wasserflasche hatte ich auch noch meine Kamera in der Tasche... Die jetzt natürlich nicht mehr funktionierte.
So habe ich mich also auf den Rückweg gemacht, in meinem Zimmer Taschentücher in sämtliche Öffnungen der Kamera gesteckt und die Heizung auf die höchste Stufe gestellt, was mehr als muckelig warm war. Auf dem Weg in die Küche traf ich den Hostelbesitzer nochmal und als wir ins Gespräch kamen, erzählte ich von der Kamera und fragte ihn, ob er mir Läden empfehlen könnte, wo man neue Kameras kaufen könnte. Ich hatte mir eh schon überlegt, eine neue, bessere zu kaufen, wollte das aber eigentlich erst nach der Reise machen. Das Problem jetzt dann eher, dass ich in the middle of nowhere war und so schnell keinen Kameraladen zur Verfügung haben würde und ich keine Ahnung hatte, was für ein Modell ich haben wollte. Der Hostelbesitzer empfahl mir drei Läden in Christchurch, wo ich in drei Tagen wieder sein würde. Bot mir dann aber auch an, die Kamera über Nacht auf die Heizplatte der Kaffeemaschine zu legen. Keine so schlechte Idee. Am nächsten Morgen funktionierte sie tatsächlich wieder und ich war glücklich. 

Bevor ich ins Bett ging, wollte ich aber noch die Glühwürmchen sehen, die es im angrenzenden Wald geben sollte. Großartige Idee... Der Zugehörige Weg würde in ca. 20min bewältigt werden. Und da ich tatsächlich eine Stirnlampe dabei hatte (spätestens jetzt wusste ich auch warum), sollte das ja kein Problem sein. Ich fand es trotzdem spooky, da allein durchzulaufen und all die Geräusche zu hören. Ich sagte mir immer wieder, dass es unter Neuseeländern keine bösartigen Menschen gibt, die andern Leuten in einem dunklen Waldstück auflauern, weil diese kleine Glühwürmchen sehen wollen. Und dann war ich am Ende des Weges und hatte keine Glühwürmchen gesehen... Also das Ganze nochmal zurück. Und jetzt mit abgedunkeltem Licht. Könnte ja sein, dass ich nichts gesehen habe, weil das Licht zu hell war. Das machte nicht unbedingt mehr Spaß, als schon vorher. Aber... tatsächlich diesmal konnte ich sie sehen. Ungefähr 10 Stück von ihnen... Wollt Ihr mich verar....?! Für die mickrige Nummer gibt es sogar einen Eintrag im Lonely Planet! Leicht desillusioniert und immer noch mit einem gefühlten Puls von 200 ging ich zurück ins Hostel und genoss in der Küche meinen Rotwein und das warme Weizenkissen (welches ich mir Tinas Hilfe noch in Christchurch besorgt hatte) auf meinen verspannten Muskeln, die immerhin so langsam besser wurden.

Da es den nächsten Vormittag ziemlich bewölkt war und auch ein wenig regnete, chillte ich nur im Hostel, bis es mit dem Bus weiterging. Eigentlich wollte ich noch zum Mirror Lake, der so heißt, weil er so spiegelglatt ist, dass sich die Umgebung darin ziemlich klar spiegelt. Aber ohne Sonne und mit Regen wäre das auch nur ein normaler See. Davon habe ich schon ein paar gesehen ;)

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