Donnerstag, 6. November 2014

Red Centre und Uluru

Der Ausflug zum Uluru (Ayers Rock) war, wie der Besuch der Chinesischen Mauer, etwas, was ich mein ganzes Leben schon machen wollte. Genau genommen hatte ich Australien auch nur wegen diesem Trip auf meiner Route. Mit 350A$ zzgl. der Flüge ins Red Centre ein teures Vergnügen. Aber das war es allemal wert!

So bin ich also schon am 19.8. morgens um 6 Uhr aufgestanden, um rechtzeitig meinen Flug von Melbourne nach Alice Springs zu erwischen. Im Vergleich zu den nächsten Tagen war das noch Ausschlafen... Gegen Mittag kam ich im Hostel, Alice's Secret Travellers Inn, ein ausgewiesenes Nicht-Party-Hostel, an. Was aber auch nicht hieß, dass hier mehr ältere Leute wohnten. Es waren eher mehrere Langzeitgäste, die Working Holidays machen, als Tour Guides arbeiten oder doch wieder nur ein paar Anfang 20-jährige. Was soll's, manche von denen sind ja dann doch ganz nett und interessante Gesprächspartner. Auf jeden Fall sind die Backpacker in Australien anders, als in Asien. Oder einfach nur jünger, weil so viele hierher zum Arbeiten kommen. 

Nachdem ich meine Wäsche gemacht hatte - für 5A$ pro Maschine, im Vergleich zu Asien, wo man 1$ pro kg inkl. Trocknen zahlt - habe ich mich auf einen Spaziergang durch die Stadt oder besser das Städtchen gemacht. 

Wenn man Geschichten zu Alice Springs hört, sind die in der Regel nicht so besonders fröhlich. Sie handeln viel von den Aboriginies, die dort wohnen und den ganzen Tag betrunken in der Stadt rumlungern, weil sie arbeitslos sind. Man solle lieber vorsichtig sein und sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine auf den Straßen aufhalten, den Leuten niemals direkt in die Augen gucken und auf keinen Fall den Todd River überqueren. Mein Hostel lag übrigens auf eben jener anderen Seite des Flusses, der in den seltensten Fällen ein Fluss ist und in der Regel ein langer Landstrich mit vielen Bäumen und Sand, wo sich viele der Aboriginies zurückziehen. Auf Nachfrage sagte mir Josh vom Hostel, dass es tatsächlich die Probleme in der Stadt gibt (die Stories gehen von Raub, über angezündete Autos und Prügeleien bis hin zu Vergewaltigungen), es sei aber nicht so schlimm, wie es in den Nachrichten oder im Internet dargestellt würde. Unser Guide später auf der Tour, relativierte das Ganze dann nochmal deutlich stärker. In der Tat hat auch Heff nicht empfohlen, nachts alleine durch die Gegend zu laufen, aber man müsse nicht in ständiger Angst um sein Leben sein. Alice Springs hat ca. 24.000 Einwohner, davon 8.000 Aboriginies. Der größte Teil von ihnen führt ein normales Leben und geht einer geregelten Arbeit nach. Der andere Teil hält sich in Gruppen in der Stadt auf und sitzt auf den Grünstreifen herum, spätestens gegen Abend trifft man auf relativ viele alkoholisierte Menschen. In anderen Städten würde es ja auch Arbeitslose und Obdachlose Menschen geben, die dann in Parks herumhängen, meinte Heff. in Alice Springs wäre es also nicht anders. Ich fand es allerdings schon ziemlich komisch durch die Stadt zu laufen. Die Anzahl der Leute, die sich auch tagsüber in der Stadt auf den Grünflächen oder vor Supermärkten aufhalten, ist im Verhältnis deutlich höher, als man das sonst gewohnt ist. Angst muss man sicher nicht haben, auch wenn die Sprache, ähnlich wie im Chinesischen sehr laut ist. So hat man häufig den Eindruck, dass Leute streiten, obwohl das gar nicht der Fall ist. 
Obdachlos sind Aboriginies in der Regel, weil sie zum einen arbeitslos sind, in der Folge dann eher öfter Alkohol trinken, was in deren Communities, in denen sie leben, nicht geduldet wird und sie deshalb dann verstoßen werden. Das verstärkt die Spirale dann nochmal, was in der Tat ähnlich zu allen anderen Orten auf der Welt ist. 

So richtig habe ich mich mit der Geschichte der Aboriginies noch nicht beschäftigt, finde aber sicher noch ein passendes Buch, dass ich auch dazu lesen kann. Was die Kultur angeht, kann ich auch schon einmal vorausschicken, dass ich dazu nicht allzu viel während der drei Tage am und um den Uluru dazugelernt habe. Das liegt allerdings in Teilen auch daran, dass die Aborigines nur einen Teil davon preisgeben, den Rest aber nicht erzählen, weil sie es für sich schützen wollen. Zum einen vielleicht verständlich, wenn man irgendwann von europäischen "Eindringlingen" aus seinem Land vertrieben wurde und einem nur dieselben Rechte, wie Tieren eingestanden wurden (was sich auch erst in den 70ern geändert hat). Zum anderen ist es immer ein bisschen schwer vermittelbar, wenn einem Hintergrundwissen zu bestimmten Verhaltensweisen fehlen. Wobei ich mir gerade denke, während ich das schreibe, dass es eigentlich ausreicht, dass die Erklärung dafür, dass der Uluru ein ganz besonderer Ort für die Aboriginals ist, weil sie dort seit Jahrhunderten ihr Leben verbracht haben. Dies der Ort war, an dem Traditionen an die Nachfahren weitergegeben wurden, Kinder geboren, Alte gestorben, Trauer abgehalten wurde... So oder so war für mich von vornherein klar, dass man es respektiert, wenn man darum gebeten wird, den Uluru nicht zu erklimmen. Zumal man von dort oben eh fast nur plattes Land sieht. Schließlich ist der Uluru die Hauptattraktion in der Gegend. Außer den 50km entfernten Kata Tjuta (The Olgas) und dem 300km entfernten Kings Canyon gibt es da oben nix zu sehen. Dennoch sind es immer noch eine Menge Leute, die zumindest versuchen, den Felsen zu erklimmen, viele scheitern jedoch auch, weil es in der Regel irgendwie die unfitten, dicken Leute sind, die meinen, da hoch zu müssen. Immerhin dient das der Belustigung der Untenstehenden :)

Am Morgen des 20. sollte es dann also losgehen. 3 Tage ins Outback. 1500km im Bus und abgesehen von den Wegen zu den Campingplätzen würden wir dabei nur 2x abbiegen. Ansonsten geht es straight geradeaus. Um 6 Uhr war Pick-Up. Um 5 Uhr wecken... Am ersten Tag stand der Kings Canyon auf dem Plan, mit diversen Stopps an Camel-Farms (Ursprünglich nicht in Australien beheimatet, dann aber hergebracht, lebt heute die größte Anzahl an wilden Kamelen weltweit hier. Die Exemplare sind so gesund und wohlgeraten, dass sie sogar aus Australien nach Saudi Arabien als Renn-Kamele zurückverkauft werden. Eine Runde reiten, gefühlte 3min, 7$. Nix für meinen Rücken), Aboriginal-Gallerien, und im Nirgendwo, um Brennholz für abends zu sammeln! Ich habe mir am Anfang einen kleinen Kaffee für noch nur 4,80$ gegönnt. Im Laufe der Reise stieg der Preis noch auf 6$. Der Grande Latte bei Starbucks, der fast doppelt so groß ist, kostet in der Regel 4,70$... Macht ja aber auch alles einen langen Weg, bevor es hier draußen verkauft werden kann.
Gegen 13Uhr kamen wir dann am Kings Canyon an. Die 3,5-stündige Wanderung war schon wunderschön. Allerdings musste ich auch immer ein bisschen daran denken, dass ich im November/Dezember ja auch noch den Grand Canyon sehen werde, der dann doch ein bisschen größer ist... Nichtsdestotrotz war es toll und bei inzwischen wieder angenehmen Temperaturen von ca. 22-24 Grad, ließ es sich gut wandern. Hier lernten wir dann auch das erste Mal, dass die typische rote Farbe gar nicht die ursprüngliche der Felsen in der Gegend ist. Diese entsteht erst durch den Kontakt mit der Umwelt und die folgende Oxidierung. Normalerweise ist alles langweilig grau. 




Abends wurde irgendwo im Nirgendwo gecampt. Letzter Toiletten-Stopp geschah schon vorher, danach gab es nur noch ein hole-in-the-ground. Aber immerhin zum Dinner lecker Känguruh-Steaks, Camel-Burger und Beef-Sausages vom Grill. Bevor wir in unsere Swags stiegen, haben wir noch ein bisschen den unfassbaren Sternenhimmel bestaunt. Es war fast schwerer, eine Stelle ohne Stern zu finden als anders herum. Leider musste dann später einer der drei mitgereisten Männer, deren Ruf alle Ehre machen. Er hat so laut geschnarcht, dass ich trotz Musik auf den Ohren nicht vor halb eins schlafen konnte. Zuzüglich der zahlreichen Wachphasen aufgrund von Kälte (ca. 4 Grad) war die Nacht für mich nicht besonders lang. Ach ja, und um 5 Uhr ging es dann ja auch schon wieder weiter... 


Erster Stopp, Toilette. Danach auf den Campingplatz für die nächste Nacht, mit heißen Duschen und extra Sonnenaufgangsblick auf Uluru und Kata Tjuta - unser Ziel für den Vormittag. hier traf ich auch wieder Marius und Hernando von der Great Ocean Road Tour zum insgesamt 4. Mal. Die Lappen hatten noch mehr für Ihre Tour gezahlt und deshalb in richtigen Zelten geschlafen. Das kann ja jeder!


Die Wanderung an den Olgas, oder eben Kata Tjuta (wie sie von den Aboriginies genannt werden). Dauerte 2,5 Stunden und war deutlich einfacher als am Vortag. Es handelt sich ebenfalls um eine Felsformation, allerdings ein bisschen vielfältiger, als der Uluru. 


Nachmittags sind wir im Info-Centre des Nationalparks gewesen. Mir hat das nicht so wahnsinnig weitergeholfen, was das Verständnis der Kultur angeht. Aber der Kaffee war gut und ich habe für meine geschundenen Arme eine Avocado-Oil-Creme erstanden. Die hilft wenigstens ein wenig gegen die trockene Luft.

Zum Sonnenuntergang ging es dann auf den Lookout für die Reisebusse. Dank der Luxusliner hatten wir sogar kurzzeitig freies WiFi, das einzige Mal in den drei Tagen. Netzempfang gibt es eh nicht in der Gegend. Hinzu kamen aber natürlich auch wieder unzählige andere Touristen. Ich will gar nicht wissen, was für ein Kampf das ist, wenn man während der High-Season hierher kommt. Wobei ich auch nicht verstehen kann, wie man freiwillig im Sommer bei 47 Grad diese ganz Nummer abziehen kann... 


An dieser Stelle habe ich mal kurz meine autoritäre Ader heraushängen lassen, als zwei der asiatischen Kinder sich auf meinen auserkorenen Platz auf dem Picknicktisch stellten. Ich glaube, es hackt! Ein kurzes, bestimmtes "Ey!" genügte dafür, dass sie mich ängstlich ansahen und wieder herabstiegen. Die können sich schön hinterher die Bilder ihrer Eltern angucken, aber mir nicht meinen Premium-Platz wegnehmen.
Der Sonnenuntergang war wirklich beeindruckend und schön. Das Gefühl endlich hier zu sein, nachdem ich so lange darauf gewartet hatte, war wirklich unglaublich. Und zudem gab es dann noch guten, ausreichenden Champagne als 'Beilage' zu dem ganzen. Was will man da mehr :) Und wenn ich es mir jetzt so überlege, ist es der erste Sonnenuntergang, bei dem ich nicht einen Gedanken daran verschwendet habe, dass es noch viel schöner wäre, wenn in diesem Moment noch jemand neben bei stehen würde. Und JETZT könnt Ihr wirklich einschätzen, wie beeindruckend das Ganze war ;)

Danach ging es zurück ins Camp, essen fassen (Burritos), restlichen Schaumwein trinken und schlafen. Dies funktionierte diese Nacht auch schon viel besser.

Am nächsten Morgen wurden wir dann zur Abwechslung um 5 Uhr geweckt. Sonnenaufgang am Uluru. Den ersten Teil an gleicher Stelle, wie zum Abend zuvor, den zweiten Zeil dann direkt am Felsen. Und während wir den 2-stündigen Basewalk um den Felsen herum machten, stieg die Sonne immer höher und ließ ihn in dem, von Fotos bekannten, intensiven rot erstrahlen. UNFASSBAR toll! Mother nature is still the best entertainer, I guess! 


Danach sind wir dann über die bekannten Stopps - denn dort sind auch die Tankstellen - zurück nach Alice Springs gefahren. Am Ortseingang machten wir zum letzten Mal für ein paar Fotos halt, bevor wir dann wieder alle in unseren Hostels abgeliefert wurden. Abends trafen sich dann alle noch auf ein Gläschen in einer Bar wieder. Das war noch ganz nett, weil es mit der Gruppe und vor allem mit Rio (aus Indonesien), Sherry (aus Hongkong), Ruggero und seiner Freundin (aus Italien) und den beiden  Holländerinnen, Lianne und Vera viel Spaß gemacht hat. Ausgeartet ist es aber auch diesmal nicht, weil wir alle ganz schön platt von den letzten drei Tagen waren. Kaputt aber glücklich :)






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